Angst und Hass entgegenwirken mit Offenheit und Toleranz (zum Attentat in Norwegen)
Mit einem überraschenden Schlag traf uns vor einigen Tagen die Nachricht des Attentats in Oslo. Ein Mann mit rechtsextremer Gesinnung hat seiner Angst Ausdruck verliehen, indem er gezielt einen Terrorakt vollzog, der vor allem vielen jungen Menschen das Leben raubte. Diese Tat voller Hass zeigte ganz deutlich: Terrorakte gehen nicht allein von religiösen Fanatikern aus, sondern von allen, die einer totalitären Ideologie nacheifern, die intolerant gegenüber Andersdenkenden ist.
Die Greueltat ist schlimm und wir alle trauern mit der norwegischen Bevölkerung um ihren Verlust, gerade deswegen sollten wir in ihrem Sinne der Gewalt entgegnen. Der norwegische Ministerpräsident Stoltenberg fordert dazu auf, Angst und Hass mit Offenheit und Toleranz entgegenzuwirken. Dies ist der richtige Weg.
Nur mit Offenheit gegenüber Andersdenkender können wir ihnen die Angst vor Unbekanntem nehmen. Wir müssen transparent darlegen, warum etwas wie geschieht. Die Politik muss erkennen, dass sie nichts verheimlichen darf. Die Religionen müssen sich öffnen, um zu zeigen, dass ihr oberstes Anliegen der Mensch ist. Wir alle müssen uns fremden Kulturen öffnen, um zu sehen, was wir von ihnen lernen können. Wir dürfen uns nicht verschließen.
Wir müssen tolerant sein gegenüber anderen Ansichten. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass unser Weltbild das einzig gültige ist. Wir müssen lernen, aufeinander zu zugehen, um gemeinsame Nenner und Ziele zu finden. Dabei reicht es nicht, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, wir müssen den größten gemeinsamen Nenner suchen.
Norwegen ist nicht so fern, wie wir uns das manchmal einreden wollen. Bevor wir auch in Deutschland von einer solch grauenhaften Tat aus unserer Blindheit gegenüber der Totalitätsfanatikern, insbesondere vom rechtsextremen Rand geweckt werden, sollten wir von uns selbst aufwachen und uns fragen, was wir tun können, um solche Attentate zu verhindern.
Selbst in Butzbach können wir im Kleinen anfangen, um für die Zukunft im Großen vorzusorgen. Aufklärung ist dabei ein wichtiges Stichwort. Wir müssen allen Menschen zeigen, dass alle Menschen etwas wertvolles sind und alle Menschen etwas zur eigenen persönlichen Entwicklung beitragen können. Die latente Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und fremden Kulturen kann nur ausgeräumt werden, wenn Menschen miteinander kommunizieren, wenn ihnen die Angst genommen wird. Aus diesem Grund ist jeder einzelne dazu aufgerufen, seine Umgebung mitzureißen – mitzureißen, wenn es darum geht, einmal die Chance zu ergreifen, eine Synagoge oder Moschee zu sehen. Mitzureißen, wenn es darum geht, irische oder orientalische Musik zu hören. Mitzureißen, wenn es darum geht, einen Film abseits des Mainstreams zu sehen oder einfach nur einmal jugoslawisch essen zu gehen. Jeder kann etwas dazu beitragen, die Welt ein wenig freundlicher zu gestalten.
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