28. November 2011
Daniel

Gemeinsam für Demokratie und Toleranz gegen Hass und Angst

PRESSEERKLÄRUNG des Butzbacher Bündnis für Demokratie und Toleranz
Verfasst von den Sprechern: Daniel Libertus und Alexander Brückel

Derzeit werden die Medien in Deutschland ständig mit neuen Erkenntnissen über die rechtsextreme Gruppierung der „Zwickauer Zelle“ gefüttert. Entsetzen und Bedauern sind die öffentlichen Reaktionen, die überall laut werden.

Wie bereits die Gräueltat des norwegischen Fanatikers Breivik sind auch die Taten der rechtsextremen Verbrecher in Deutschland unfassbar. Wir alle fühlen mit den Opfern. Wir alle sind wütend auf die Behörden. Wir alle wollen solche Taten in Zukunft verhindern.

Neben den Fakten über die konkreten Verbrechen der Zwickauer Zelle, die Angst und Hass verbreiten, wird viel über den „braunen Terror“ und den „rechtsextremen Rand“ gesprochen. Als wäre Deutschland bisher frei von faschistischen, rassistischen und demokratiefeindlichen Tendenzen gewesen, sind alle plötzlich überrascht oder gar geschockt von den Umtrieben dieser Demokratiefeinde.

Dabei ist diese Erkenntnis nicht neu. Seit Jahren bereits machen Bündnisse der Bürger in ehrenamtlicher Zivilcourage darauf aufmerksam, dass in der Mitte unserer Gesellschaft Toleranz und Demokratie bekämpft wird. Die Täter aus Zwickau sind keine religiösen Fanatiker. Sie sind auch keine verirrten Menschen, die zufällig einem Wahn verfallen sind. Sie sind eine organisierte Gruppierung mit demokratiefeindlichen, rassistischen Idealen, die in der Bevölkerung einen derart großen Anklang gefunden haben, dass sie ihre Taten über einen sehr langen Zeitraum durchführen konnten.

Der Vorteil der derzeitigen Medienberichterstattung ist, dass das lange stiefmütterlich behandelte Thema endlich wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung rückt. Viel wichtiger muss aber sein, der Bevölkerung klar zu machen, dass jeder in der Lage ist, etwas dagegen zu tun. Nach den Anschlägen in Oslo forderte der norwegische Ministerpräsident Stoltenberg Angst und Hass mit Demokratie und Toleranz zu begegnen. Das ist nach wie vor der einzig richtige Weg.

Nur mit Offenheit gegenüber Andersdenkender können wir ihnen die Angst vor Unbekanntem nehmen. Wir müssen transparent darlegen, warum etwas wie geschieht. Die Politik muss erkennen, dass sie nichts verheimlichen darf. Die Religionen müssen sich öffnen, um zu zeigen, dass ihr oberstes Anliegen der Mensch ist. Wir alle müssen uns fremden Kulturen öffnen, um zu sehen, was wir von ihnen lernen können. Wir dürfen uns nicht verschließen.

Wir müssen tolerant sein gegenüber anderen Ansichten. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass unser Weltbild das einzig gültige ist. Wir müssen lernen, aufeinander zu zugehen, um gemeinsame Nenner und Ziele zu finden. Dabei reicht es nicht, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, unser Ziel kann nur der größte gemeinsame Nenner sein.

Die Verbrechensserie holt uns zurück in die Realität. Denn es liegt an jedem Einzelnen, solchen fanatischen, extremen, menschenfeindlichen Bildern entgegenzuwirken. Alle können eingreifen und sich einmischen, statt wegzusehen. Jeder kann Zivilcourage zeigen und die latente Intoleranz gegenüber anderen als die gewohnte Lebensweise kritisieren.

Zu lange verschloss die Gesellschaft die Augen vor den Auswüchsen dieser Intoleranz. Vielmehr war sie mit ihr einverstanden, bedeutete dies den Erhalt des Gewohnten. Intoleranz von Fremden verhinderte Veränderung und damit auch die Notwendigkeit, sich selbst mit einer neuen Situation auseinandersetzen zu müssen. Damit muss Schluss sein.

Aus Bequemlichkeit Intoleranz zu dulden, ist nicht der Weg, den wir gehen dürfen. Dies kann sich sehr schnell rächen. Wer Hass schürt und Intoleranz gedeihen lässt, kann irgendwann selbst „der Andere“ sein, der nicht mehr toleriert wird.

Wir leben alle in einer Gesellschaft, die nur miteinander eine Chance hat, Krisen zu bewältigen und neue Wege zu finden. Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern.

Selbst in Butzbach können wir im Kleinen anfangen, um für die Zukunft im Großen vorzusorgen. Aufklärung ist dabei ein wichtiges Stichwort. Wir müssen allen Menschen zeigen, dass ausnahmslos alle Menschen etwas wertvolles sind und alle Menschen etwas zur eigenen persönlichen Entwicklung beitragen können. Die latente Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und fremden Kulturen kann nur ausgeräumt werden, wenn Menschen miteinander kommunizieren, wenn ihnen die Angst genommen wird. Aus diesem Grund ist jeder einzelne dazu aufgerufen, seine Umgebung mitzureißen – mitzureißen, wenn es darum geht, einmal die Chance zu ergreifen, eine Synagoge oder Moschee von innen zu sehen. Mitzureißen, wenn es darum geht, irische oder orientalische Musik zu hören. Mitzureißen, wenn es darum geht, einen Film abseits des Mainstreams zu sehen oder einfach nur einmal exotisch essen zu gehen. Jeder kann etwas dazu beitragen, die Welt ein wenig freundlicher zu gestalten.

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